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St. Josefkirche
Geschichte
St. Oliver mit St. Mathilde und Gleidingen St. Josef

Die Siedlung Laatzen und die Wüstungen Wenderode, Büterode, Brüningerode, Sossingerode, Eddingerode, Deberode und Anecamp, die zwischen Laatzen und dem Kronsberg lagen, wurden im 9.–10. Jahrhundert infolge der Rodungen im Bistum Hildesheim angelegt. Damals waren Rodungen notwendig, da der dichte unbewohnbare Wald zwischen Hannover und Braunschweig die Verbindungen erschwerte.

Infolge der Rodungspolitik der Hildesheimer Bischöfe entstand die Grafschaft der “Kleinen Freien” oder “Freien vor dem Nordwald”; ihre Bewohner waren besonders privilegiert. Die Adelsfamilie von “Lathusen”, die im Besitz der Gerichtsbarkeit und der Herrenrechte in der gleichnamigen Siedlung war, wird Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisbar. “Conradus de Lathusen” und “Hartmanus de Lathusen” werden als Zeugen 1255 und 1290 urkundlich genannt. Die Siedlung Laatzen wird 1259 überliefert; als “villa” wird sie 1311 nachgewiesen. 1308 verkaufte die Familie von Laatzen zunächst ihre Mühle, eine Hausstelle und dann ihre Fischereirechte. Alle Güter innerhalb und außerhalb der Siedlung waren so 1350 in den Besitz des Klosters Marienrode gelangt.

Der Bau bzw. Ausbau der 1325 genannten und 1392 sicher nachweisbaren Kapelle im Ort durch den Zisterzienserorden ist denkbar. Ebenso ist ein Marienpatrozinium möglich, da die Gottesmutter Patronin des Ordens und des Bistums Hildesheim ist. Innerhalb des Hildesheimer Archidiakonates Sarstedt gehörte die Marienkapelle in das Kirchspiel der Pfarrkirche St. Petrus in Döhren. Die mittelalterliche Kapelle gehört heute zu den am weitesten südlich gelegenen Bauwerken Norddeutscher Backsteingotik. Das Mittelalter hindurch waren die Landwirtschaft, die Mühlen und der Fischfang Erwerbsgrundlagen. Mit den Siedlungen Döhren und Wülfel gehörte Laatzen in die Grafschaft der “Kleinen Freien”, die 1671 als Lüneburger Enklave an Calenberg fiel und mit dem Amt Koldingen vereinigt wurde. Während der Reformationszeit wurde Laatzen von Lüneburg regiert. Im Fürstentum Lüneburg waren auf Initiative Herzog Ernst des Bekenners (1521–1546) mit Hilfe von Urbanus Regius Kirchenvisitationen durchgeführt und später ev. Kirchenordnungen erlassen worden. Die Pfarrei St. Petrus in Döhren erhielt 1529 einen ev. Geistlichen, der auch für die Wülfeler und Laatzener Filialen zuständig war.

Laatzen, als größte Siedlung im “Kleinen Freien”, war während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519 bis 1523) verwüstet worden. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) folgten Brandschatzungen und Plünderungen.

Die älteste Siedlung der heutigen Stadt Laatzen ist Gleidingen. Im Protokoll über den Grenzverlauf der Bistümer Minden und Hildesheim von 983 wird “Hrothgea de glethingi” als beurkundender Zeuge aufgeführt.

Die Adelsfamilie von Gleidingen, deren Angehörige auch Ministerialen des Hildesheimer Bischofs waren, wird in darauffolgenden Jahrhunderten als bedeutender Grundherr erwähnt. Im Bistum Hildesheim war Gleidingen Filialgemeinde der Haupt- und Taufkirche St. Nikolaus in Sarstedt.

Selbständige Pfarrgemeinde wurde Gleidingen im 13. Jahrhundert, wenngleich es weiterhin zum Archidiakonat Sarstedt gehörte. Rethen wurde später als Filiale Gleidingen angeschlossen.

Mit “Henricus de Gledinghe plebanus” wird 1250 der erste Pfarrer nachgewiesen. Die Kapelle im Ort wurde um 1320 durch eine massive Kirche ersetzt. Die Familie von Gleidingen hatte den Kirchbau gefördert. Das hiesige Marienpatrozinium kann urkundlich nicht bestätigt werden. Die Kapelle bzw. die spätere Kirche war vermutlich der Hl. Gertrud geweiht.

Dies bevorzugte, im Bistum Hildesheim jedoch seltene, karolingische Patrozinium fand nach der Eroberung Sachsens durch Karl den Großen (768–814) seine Verbreitung. 1331 war die Gertrudenkirche dem Mauritiusstift in Hildesheim inkorporiert worden, das durch den jeweiligen Oblegarius in Rethen, Kanoniker des Mauritiusstiftes, die Patronatsrechte ausübte.

Bischof Otto II. von Hildesheim (1318–1331) beauftragte 1331 den Propst von St. Mauritius, einen Kanoniker des Stiftes zum Pfarrer in Gleidingen zu bestellen. Letzterer erhielt das Recht, die Pfarrstelle einem anderen Geistlichen zu übertragen.

Das Hildesheimer Stift erwarb umfangreichen Grundbesitz in Gleidingen. Bereits 1068 übertrug ihm Bischof Hezilo von Hildesheim (1054–1079) den Zehnten der Siedlung. Bischof Bernhard I. von Hildesheim (1130–1153) bestätigte dies 1151.

Das Rittergut verpfändete Jobst von Gleidingen dem Mauritiusstift. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde fiel das Gut an Franz von Rheden. Bis zur Säkularisation 1810 verfügten die Hildesheimer Kanoniker über umfangreichen Grundbesitz in der Siedlung, so über Zehntrechte und Pachteinnahmen. In der Gemeinde wurden Roggen, Gerste und später Flachs sowie Zuckerrüben angebaut. Auch sicherten sich die Bauern mit der Viehhaltung ihren Lebensunterhalt.

Die Grenzlage von Gleidingen im Amt Ruthe zwischen dem Hoheitsgebiet der Hildesheimer Bischöfe und den Welfenherzögen hatte die Siedlungsentwicklung beeinträchtigt; so während der Hildesheimer Stiftsfehde, als Herzog Erich I. von Calenberg (1495 bis 1540) bei Gleidingen auf ein bischöflich-hildesheimisches Truppenkontingent traf, das vorher das Dorf Langenhagen geplündert hatte. Mit dem Quedlinburger Rezeß von 1523 war das Amt Ruthe und mit ihm Gleidingen an das Herzogtum Calenberg gefallen, das seit 1540 von Elisabeth II. von Calenberg (1540–1546) regiert wurde. Letztere hatte hier mit Hilfe des Theologen Antonius Corvinus die Reformation eingeführt. Die ev. Kirchenordnung für Calenberg gab man 1542 heraus.

In Gleidingen wurde 1543 die Reformation eingeführt. Das Hildesheimer Amt Ruthe war 1643 mit der Restitution des großen Stiftes wieder unter die Regierungsbefugnisse des Hildesheimer Bischofs gelangt. Die Normaljahrsbestimmung des Westf. Friedens von 1648 garantierte jedoch den ev. Besitzstand für das Grenzjahr 1624.

Gleidingen blieb evangelisch, von einem katholischen Landesherrn wurde es regiert. Die bischöfliche Regierung hatte kath. Reformen in Gleidingen begünstigt, das seit 1643 von der kath. Amtspfarrei in Ruthe mit betreut wurde. Durch den Fortschritt in der Landwirtschaft stieg das Bevölkerungsaufkommen. Die Feldmark war verkoppelt worden und der Anbau von Gerste, Roggen, Kartoffeln und Zuckerrüben brachte hohe Erträge.

Die Gleidinger Ziegelei bot zusätzlich Arbeitsmöglichkeiten. Seit der Anlage der Straßenbahnlinie zwischen Hannover und Hildesheim 1899, mit Gleidingen als Haltepunkt, konnten zusätzlich Beschäftigungsmöglichkeiten in beiden Industriestädten angenommen werden.

In Gleidingen befand sich eine Briefsammelstelle der “Königlich-Hannoverschen Post”. Brief- und Packposten gingen täglich von Hannover in die industrienahe Gemeinde. Von 1812 bis 1910 war die Einwohnerzahl von etwa 600 auf 1 390 gestiegen. Das Bauerndorf hatte sich zu einem Wohnort für Industriearbeiter entwickelt. Die Landwirtschaft blieb jedoch bis zur Jahrhundertwende prägend. Polnische Landarbeiter und Katholiken aus Oberschlesien arbeiteten hier während der Erntesaison. 1910 lebten 240 Katholiken im Ort. Deshalb war 1913 der Gesamtschulverband Ruthe-Gleidingen-Heisede gegründet worden, der eine kath. Schule an der Oesselser Straße erbauen ließ. Der Schulraum wurde seit 1914 zur Feier der Hl. Messe genutzt; Gleidingen wurde Gottesdienststation.

In der Ortschaft erbaute man 1938–1939 ein kath. Gotteshaus, das dem Hl. Josef geweiht wurde. Die Gründung der Filialkirche in Gleidingen war von Ruthe aus erfolgt. Der Straßenbahnanschluß nach Rethen und Pattensen, die beide zur Pfarrei in Ruthe gehörten, hatten den Kirchbau in Gleidingen begünstigt. Die hiesige kath. Schule wurde 1939 durch die Nationalsozialisten aufgehoben. Die Industrialisierung hatte Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, als Gasleitung und Straßenbahn nach Laatzen weitergeführt wurden. Mit dem Ausbau der Hildesheimer Chaussee und der Anlage der Eisenbahnstrecke seit 1853 hatte man hier darüber hinaus die industrielle Entwicklung gefördert, woraufhin erste Ziegeleien entstanden. 1895 lebten 159 Katholiken in Laatzen, die seelsorglich von der Pfarrei St. Bernward in Döhren betreut wurden.

Seit der Jahrhundertwende zählte Laatzen zu den industriellen Vororten Hannovers. Mitte der 30er Jahre begann eine erneute Phase der industriellen Entwicklung. Im Laatzener Holz, dem jetzigen Messegelände, war ein Leichtmetallwerk, die “Meha”, errichtet worden. Das Zweigwerk des Eisenwerkes Wülfel an der Kronsbergstraße, die Maschinenfabrik Niedersachsen-Hannover (MNH) erweiterte man. Ein erneuter Zuzug von Arbeitskräften setzte daraufhin ein, so daß 1939 Laatzen 4 000 Einwohner zählte.

Die Anzahl der Katholiken erhöhte sich dementsprechend. Ein Fabrikgrundstück für kirchliche Zwecke wurde hier 1925/26 erworben. Nach dem Bau der Mathildenkirche 1938 richtete man innerhalb der St.-Bernward-Pfarrei in Döhren einen eigenen Kuratiebezirk für Laatzen ein. Während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) war die St.-Mathilden-Kirche 1943 und 1944 durch Brand- und Sprengbomben beschädigt worden; das Dach wurde abgedeckt, die Fenster teilweise zerstört.

Auch die St.-Josefs-Kirche in Gleidingen erlitt Schäden. Zahlreiche heimatvertriebene Katholiken waren nach Kriegsende in Gleidingen hinzugezogen. Die Josefskirche war bald zu beengt. Die 300 Plätze fassende Kirche in Ruthe war dagegen für die 380 hier lebenden Katholiken ausreichend.

Nicht so in Gleidingen, wo für 1 484 Katholiken 110 Sitzplätze zur Verfügung standen. Gleidingen hatte sich zur Wohngemeinde vor allem für Industriearbeiter aus dem Großraum Hannover entwickelt. Bereits 1946 war hier ein aus Schlesien stammender Seelsorger als Pfarrvikar eingesetzt worden.

Der Zweite Weltkrieg hatte von 1941 bis 1945 mit einer Reihe von Luftangriffen besonders auf die vereinigten Metallwerke in Laatzen 54 Todesopfer gefordert. 40% aller Wohngebäude der Gemeinde waren zerstört.

Zwecks Förderung des deutschen Exportes von Industriegütern veranstaltete man 1947 die erste Hannover-Messe. Die Hallen der vereinigten Metallwerke in Laatzen waren demontiert und in 123 Tagen auf dem heutigen Messegelände wieder aufgebaut worden. Als begleitende Infrastrukturmaßnahme wurden 32 Schulgebäude und der Welfenplatzbunker als Notunterkünfte während der Messezeit bereitgestellt. Die am 3. September 1947 eröffnete Exportmesse war so erfolgreich, daß sie seitdem jährlich veranstaltet wird. 1986 teilte man sie in die CEBIT- und Industriemesse. Die Hannover-Messe hatte nicht nur den Wiederaufbau, den Neu- und Ausbau der Landeshauptstadt Hannover gefördert, sondern sie trug auch entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung von Laatzen bei. So waren in unmittelbarer Nähe zum Messegelände Gewerbeparks entstanden.

Damit Aussteller und Gäste schneller das Messegelände erreichen können, war 1950 der Messeschnellweg angelegt worden. Außer an Laatzen führt der Messeschnellweg auch am östlichen Dorfrand von Gleidingen entlang. Etwa 1 000 Flüchtlinge und Evakuierte hatten in Laatzen nach 1945 Unterkunft gefunden. Die Wohnungsnot war groß, so daß der Wiederaufbau begann und Wohnraum geschaffen werden mußte.

Neue Siedlungen entstanden im Leinetal, in der Wiesen- und August-Bebel-Straße. Später folgten mehrgeschossige Wohnhäuser. Mit der Straßenbahnverbindung nach Hannover und dem Bahnhof am Kronsberg war Laatzen Wirtschaftsstandort geworden; sein direkter Anschluß an das überörtliche Verkehrsnetz und die unmittelbare Nähe der Hannover-Messe begünstigten dies.

Bischof Joseph Godehard Machens (1934–1956) erhob St. Mathilde in Laatzen 1954 zur selbständigen Kirchengemeinde; damals zählte sie 1 350 Katholiken. Im Jahre 1965 erhielt sie Pfarreistatus. Weitere Industriebetriebe wurden nach 1953 in Laatzen ansässig. Die Wohnbebauung im heutigen Laatzen-West wurde abgeschlossen. Auf Initiative des Verbandes Großraum Hannover war 1963 im Raum von Laatzen-Kronsberg-Bemerode eine intensive Wohnbesiedlung durchgeführt worden. Der kommunalpolitische Zusammenschluß von Grasdorf und Laatzen 1964 wurde für die endgültige Standortwahl eines neuen Gemeindezentrums ausschlaggebend. Wichtige Lebensbereiche der Gemeinden waren damals schon eng miteinander verbunden oder überschnitten sich. Ihre Bebauung ging ineinander über. Laatzen wurde 1968 durch den Nieders. Minister des Inneren Stadtstatus verliehen. Mit der Bebauung des Gebietes Grasdorf-Ost zwischen der Bundesbahnstrecke und der Bundesstraße 6 war 1967 begonnen worden; Laatzen-Mitte entstand.

Bis Ende 1983 erbaute man hier 5 962 Wohnungen. Durch die Gebietsreform von 1974 wurde das Laatzener Stadtgebiet erheblich erweitert.

Die Nachbargemeinden Rethen (Leine), Gleidingen, Oesselse und Ingeln kamen zu Laatzen. Das Messegelände dagegen und der als Siedlungsgebiet vorgesehene Süd-Kronsberg wurden ausgegliedert und gelangten an die Landeshauptstadt Hannover. Kirchlicherseits wurden die Gemeinden auf Drängen der Katholiken in Gleidingen mit bischöflicher Urkunde vom 27. November 1981 nach Laatzen im Dekanat Hannover-Mitte/Süd umgepfarrt.

Da die kleine St.-Mathilden-Kirche für die ca. 3 000 in Laatzen wohnenden Katholiken baulich nicht mehr ausreichend war, wurde 1977 das kath. Kirchenzentrum “St. Oliver Plunkett” in Laatzen-Mitte errichtet. Mit Wirkung vom 1. Januar 1982 wurde die Pfarrei Laatzen erweitert, so daß sie die südlichen Ortsteile der Stadt Laatzen – Gleidingen, Ingeln, Oesselse und Rethen – umschließt. Gleichzeitig verlegte man den Sitz der Pfarrei Laatzen von der St.-Mathilden-Kirche an die St.-Oliver-Kirche in Laatzen-Mitte. Die St.-Mathilden-Kirche in Laatzen-West und die St.-Josefs-Kirche in Laatzen-Gleidingen wurden Filialkirchen von St. Oliver.

Unter 32 908 Einwohnern leben heute 6 472 Katholiken, deren Anzahl sich in den letzten fünf Jahren verringerte. Durch die Hildesheimer Straße, den Messeschnellweg und den Anschluß an die Autobahn war Laatzen an das regionale und überregionale Straßenverkehrsnetz angeschlossen worden. Die Anbindung der Stadt an das öffentliche Nahverkehrsnetz, z. B. der Landeshauptstadt Hannover, wurde mit der Stadtbahnlinie 1 und 2, der Bundesbahn-Nahschnellverkehrslinie 3 und der Buslinie 33 und 34 sichergestellt.

Neben Industriebetrieben bieten heute Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungsunternehmen Beschäftigungsmöglichkeiten. Das in unmittelbarer Nähe liegende Gelände der EXPO 2000 (Kronsberg) dürfte der Stadtentwicklung weitere Impulse geben.




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