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Die Zuwanderung der Juden


Eine Besonderheit, die wohl auch in der geographischen Lage Gleidingens ihre Ursache hat, ist die Tatsache, dass früher in unserem Ort eine verhältnismäßig große Anzahl jüdischer Familien lebte.

Die Zuwanderung der ersten Familien in Gleidingen begann im ersten Viertel des 18.Jahrhundert. Sie hatten bisher in Hildesheim auf dem Moritzberg bzw. in Peine "Auf dem Damme" gewohnt. 1723 wohnten hier 2 jüdische Familien, David Isac mit Frau und 4 Kindern und Abraham Meyer mit Frau und 7 Kindern. Beide Familien erhielten nach mehreren Jahren Aufenthalt in Gleidingen im Februar 1732 vom Churfürstlichen Amt in Hildeshem ihre Schutzbriefe. Im Laufe der nächsten 4 Jahrzehnte wurden für 8 Familien oder Einzelpersonen Schutzbriefe ausgestellt.

Mit den Schutzbrief-Erteilungen hat es folgende Bewandtnis:

Die Juden mussten bei dem zuständigen Amtsvorsteher eine Niederlassungsgenehmigung beantragen. Nach Erteilung der Genehmigung und mehreren Jahren einwandfreien Aufenthaltes in der Gemeinde konnten die Juden einen Antrag auf die Ausstellung eines Schutzbriefes stellen. Der Schutzbrief beinhaltete die "Zusicherung ungehinderten Aufenthalts."

Über den Schutzjuden Jakob Kiesel in Gleidingen liegt ein Auszug aus dem Schutzgeldquittungsbuch von Michaelis 1762 vor. Hiernach waren jeweils zu Ostern und zu Michelis 4 Rthl.Schutzgeld an die Fürstliche Regierung Hildesheim zu zahlen.

Die Kopfzahl der Juden war durch die Schutzbrieferteilung stark angestiegen, aus zwei Familien mit fünfzehn Personen um 1723 waren 1773 sechs Familien mit 24 Personen und 1776 neun Familien mit ca. 40 Personen geworden. 1845 wurden amtlich 93 Personen gezählt, bei einer Gesamteinwohnerzahl von 902. Als Beruf wurde vorwiegend der Handel mit allem, was zu kaufen und zuverkaufen war, ausgeübt.

Im Gleidinger Landbuch wird schon 1749 der Judenfriedhof am Dammacker erwähnt.

Die Juden in Gleidingen bildeten eine eine eigene Synagoge-Gemeinde, die um 1835 eine eigene Synagoge errichtete(in der heutigen Thorstr.). Am 28. Dezember 1835 wurde der Bauantrag eingereicht, worauf der Amtsvogt vermerkte: "Das übrigens die Judenschaft das Lokal, in welchem sie sich zur Ausübung ihrer Religion versammelt, Ostern räumen muss, hat seine Richtigkeit.

Der Posthalter Petersen hat das Haus zu anderen Zwecken bestimmt und es muss Ostern leer sein.

Für die Baustelle hatte die Judengemeinde dem Köthner Christoph Spangenberg eine Fläche in dessen Garten, 30 Fuß breit, 40 Fuß lang, abgekauft und zwar den unmittelbar an der dortigen Quergasse befindlichen Winkel. März 1836 wurde die Bauerlaubnis erteilt und Anfang 1837 wurde erstmals Gottesdienst abgehalten.

Weil das alte Badehaus der Juden in Knokes Garten baufällig war, schloss die Judengemeinde 1847 einen neuen Vertrag mit Knoke über die Nutzung eines Grundstücks in seinem Garten ab, unkündbar auf 30 Jahre für 5 Taler. Es wurde ein neues Badehaus gebaut mit Quellbrunnen, Kessel und Ofen und einem Aufwärmraum. Das Badehaus war in der Hauptsache für die jüdischen Frauen gedacht.

Aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbelisten von 1844-1878 geht hervor, dass 22 in Gleidingen ansässigen Juden als Kaufleute oder Händler geführt wurden.

Es ging in jenen Jahren nicht immer friedfertig innerhalb der jüdischen Gemeinde zu. Da wollte ein gewisser Herr Lippmann Frank sich in der Gemeinde ankaufen und bauen. Das konnte nicht gut gehen, denn es bestand der Verdacht der Dieberei, vor allem aber, weil er noch zwei Brüder in Logis nehmen wollte. Doch auf die Dauer ließ sich diese Ansiedlung nicht verhindern, der Amtsvogt griff ein und Lippmann Frank wurde ansässig.

Ärger machten auch die jungen Leute, trotz der neuen, 1838 erlassenen und vom Amtsvogt genehmigten Tempelordnung, den Gottesdienst durch Unterhaltung, Geräusche, Gelaufe und anderes störten. Der Synagogen-Vorstand war verärgert, dass die neue handgeschriebene Tempelordnung so wenig respektiert wurde. Der Amtsvogt, der auch gleichzeitig jüdischer Kirchenoberster war, musste Strafen für die Übeltäter ansetzen.

Und dann noch der Ärger mit den verheirateten Frauen während des Gottesdienstes. Da setzte sich doch diese unverheiratete Jette Cohnheim einfach zu den verheirateten Frauen und nicht dahin, wo sie hingehörte, zu den ledigen Frauen und Mädchen. Die Vorhaltungen, Verweise und Strafandrohungen des Synagogen- Vorstandes missachtete sie. Da blieb nichts anderes übrig; der Amtsvogt in Ruthe wurde hinzugezogen und setzte eine exemplarische Geldstrafe fest. Die weiteren Folgen sind nicht bekannt.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte langsam eine Abwanderung, überwiegend der jungen Leute, in die größeren Städte ein. Zurück blieben die alten Stammfamilien, die sich nach wie vor mit dem Handel beschäftigten.


Text aus 1000 Gleidingen

Die Zuwanderung
Geschichtliches über die Zuwanderung der Juden in Gleidingen

Die Posthalterei
Die Poststation zwischen Hannovr und Hildesheim

Der Hof Flohr
Einer der ältesten Höfe in Gleidingen

Sagen
Über den schwarzen Ritter und dem Stellmacher Münstermann

Die Mühle
Die Errichtung einer Mühle in Gleidingen

Die 1. Apotheke
Die erste Apothe in Gleidingen

Der 1. Weltkrieg
Gleidingen im ersten Weltkrieg 1914 / 1918

1933 bis 1945
Gleidingen während der Jahre 1933 bis 1945

Ölfieber
Ölfieber in Gleidingen

Gebietsreform
Der Zusammenschluss mit der Stadt Laatzen









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