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Der Hof Flohr

Zur Geschichte des Hofes Flohr in Gleidingen, Osterstraße 29

Der Hof Flohr gehört, wie Frau Johanne Flohr zu erzählen weiß, zu den ältesten Höfen in Gleidingen. Schon das Erbregister der Ämter Ruthe und Koldingen von 1593 erwähnt den Hof, wenn auch im Besitz einer ANDREN Familie.

In diesem Jahr wurden auf Veranlassung des Herzogs von Braunschweig als damaligen Landesherren in erschöpfender Weise sämtliche Besitz- und Rechtsverhältnisse der einzelnen Anwesen sowie die daraus fließenden Steuern und Abgaben in den Dörfern der früheren Ämter Ruthe und Koldingen aufgezeichnet. Aus den Eintragungen in dem Erbregister geht hervor, daß es sich bei dem Hof seinerzeit um einen Vollmeierhof handelte, der einem Junker mit dem Namen Hermann gehörte und dass mit Bewirtschaftung Jürgen Burmester bemeiert war. Dieser war ca. 1558 geboren und bewirtschaftete den Hof und die dazugehörenden drei Hufen(rd.80 Morgen)Land zusammen mit einem Knecht. Er befand sich zu dieser Zeit 9 Jahre auf dem Hof und musste dem Amt Ruthe an 4 Tagen dienen sowie Burgfeste (das waren Ausbesserungs- und Befestigungsarbeiten am Amtshaus bzw. der Burg) LEISTEN: Für seinen Lehnsherren musste er jährlich 12 Morgen Land vor Heisede umpflügen und viermal im Jahr bereitstehen, wenn dieser über Land fahren wollte. Außerdem musste er 28 Malter Korn abführen.

Nach Jürgen Burmester kam der Hof an Tile Dantzefueß und gegen 1625 an Heinrich Behr. Von diesem übernahm ihn ein Mann mit Namen Lemke. Grundherren waren zu dieser Zeit die Junker von Reden in Bolzum.

Der nächste Besitzer war etwa um 1700 der Amtsvogt Garberding, dessen Witwe Catharina geb. Danhausen den Halbespännerhof am 30.1.1721 an Ernst Hecken sen. und seine Frau Ilse Dorothea geborene Schnabel aus Mahlerten verkaufte. Mit verkauft wurden mehrere Bäume auf dem Hofgrundstück, im Garten und im Felde, ein Braukessel mit Braugeschirr, die mit Wintersaat bereits bestellten Felder, Vorräte an Heu, Stroh und sonstigem Viehfuter, 4 Pferde, 2 Pferdewagen, 2 Pflüge, 4 Eggen, 2 Schneideladen, eine Dachleiter, ein Kornsieb,11 Kühe,10 Schweine, eine Traubenflucht und anderes Federvieh.

Der Kaufpreis für alles betrug 1.600 Taler, wovon Ernst Henke sen.1.500 Taler sofort entrichtete und den Rest in zwei Raten zu je 50 Talern bezahlte.

Nach dem Tode von Ernst Henke sen. erbte sein Sohn Ernst Henke jun. den Hof. Im Gleidingschen Landbuch wird er 1749 als Stelleninhaber genannt. Als er verstarb(das Todesjahr ist nicht bekannt),war der Hoferbe Johann Heinrich Henke (getauft am 14.2.1744) vermutlich noch zu jung, einen so großen Hof zu leiten. Deshalb übernahm bis etwa 1776 der Halbspänner Christoph Matthies als Interimswirt die Bewirtschaftung. Im Jahre 1776 brannte der Hof ab, so dass Matthies vermutlich das Interesse verlor. Deshalb übernahm etwa zu dieser Zeit Johann Heinrich Henke den Hof. Der Wiederaufbau verstrickte ihn aber so in Schulden, dass er wahrscheinlich die Abgaben, die nach dem Meiervertrag zu erbringen waren, nicht leisten konnte.Er wurde deshalb vom Grundherrn im Jahre 1780 aus dem Meiervertrag entlassen und seine Schwester Magdalene Flohr geborene Henke in den Hof eingewiesen, indem man ihr gestattete, das Vorkaufsrecht auszuüben. Deren Ehemann Johann Heinrich Flohr hatte aber mit der Bewirtschaftung des Hofes einige Schwierigkeiten, so dass der Hof immer tiefer in Schulden geriet. Dies führte so weit, dass im Jahre 1799 die Ländereien für 8 Jahre an Herrn Ludwig, Pächter des von Redenschen Ritterguts, verpachtet werden mussten. Diese Maßnahme führte dann auch zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Hofes, so dass die Ländereien 1807, nach Ablauf des Pachtvertrages, wieder zum Hof kamen. Zu dieser Zeit führte der Sohn Heinrich Christoph Flohr bereits die Bewirtschaftung, weil sein Vater am 1.7.1801 verstorben war.

Der neue Hofbesitzer bewies in der Führung des Hofes mehr Geschick und führte ihn langsam aber stetig zu gewissem Ansehen und Wohlstand zurück. Es war ihm deshalb auch möglich, die baulichen Verhältnisse zu verbessern. So erbaute er zum Beispiel eine Scheune mit Anbau als Schafstall (1841), Ein Wohnhaus und eine Altenteilerwohnung.

Nach 54 Jahren setzte er sich 1855 zur Ruhe und übertrug seinem ältesten Sohn Christoph Friedrich Flohr die Verantwortung. Dieser war übrigens der der einzige von 6 Brüdern, der zum Militärdienst einberufen wurde. Eine Freistellung als Hofbesitzer, was nach damaligen Recht durchaus möglich gewesen wäre, kam nicht in Frage, weil noch andere arbeitsfähige Männer auf dem Hof lebten.

Heinrich Christoph Flohr beendete die von seinem Vater begonnenen baulichen Maßnahmen. Noch 1855 wurde der Kuhstall gebaut, der aber zur Hälfte für die Schafhaltung eingerichtet war. Diese Aufteilung nahm er vor, weil die Absatzmöglichkeiten für Milch einerseits nicht gut wahren, andererseits aber die Nachfrage der Bevölkerung nach Wolle und billigem Schaffleisch guten Gewinn versprach. Er nahm aktiv an der Verkoppelung und der Ablösung des landesherrlichen Gefälle teil. Die Größe des Hofes betrug nach der Verkoppelung 92 Morgen. Als Nebenerwerb Verarbeitete, mähte und trocknete er das Gras in den Wiesen zwischen Gleidingen und Ruthe.Das Heu lagerte er in der sogenannten Roten Scheune in der Gleidinger Feldmark ein, um es an die Posthalterei im Ort und im Winter an den Königlichen Marstall in Herrenhausen zu verkaufen. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Erfolge konnte er nach und nach noch Land, vor allem in der Heiseder Feldmark, dazukaufen. Er war auch einer der ersten Landwirte in Gleidingen, die auf ihrem Hof und Land Maschinen einsetzten und den Zuckerrübenbau intensivierten. Er gehörte auch einige Jahre dem Aufsichtsrat der Rethener Zuckerfabrik an.

Heinrich Christoph Friedrich Flohr verstarb plötzlich am 11.4.1888, nachdem er dem Anwesen 33 Jahre vorgestanden hatte. Sein Sohn Gustav Flohr führte in den nächsten Jahren die Wirtschaft und übernahm den Hof 1894 endgültig. Auch er baute die Gebäude um oder aus, teilweise führte er auch neue auf.1894 baute er einen Pferdestall, Hühnerstall, Taubenschlag und Kornboden und auch den ersten Neubau des Wohnhauses. Dafür wurden alte Ställe und ein älteres Hausteil abgerissen. Diese umfangreichen Baumaßnahmen belasteten den Hof und auch die Abfindungen der Geschwister sehr. Durch den Ende des vorigen Jahrhunderts einsetzenden Preisverfall und den Fortfall der Einfuhrschutzzölle blieben die erwarteten Gewinne aus, so dass der Hof eine große Schuldenlast zu tragen hatte. Im Jahr 1914 wurde der Hof Remmers, mit dem die Familie Flohr durch Heirat verbunden war, infolge eines Erbfalles in den Flohrschen Hof eingegliedert. Der folgende erste Weltkrieg brachte erhebliche Probleme für Gustav Flohr. Sowurde zum Beispiel die Wirtschaftsführung dadurch beeinträchtigt, dass 7 Pferde beschlagnahmt wurden. Darüber hinaus fielen auch die Ernteerträge sehr knapp aus, weil kaum Dünger zu bekommen war und 1916 die Kartoffelernte vernichtet wurde, weil die Kartoffelkrautfäule grassierte.

Aber auch nach dem Ende des Krieges ergaben sich durch die Folgen der Inflation und der allgemeinen Krise der Weltwirtschaft große Probleme, die nur unter Einsatz aller Kräfte gemeistert werden konnten.

Trotz allem nahm Gustav Flohr stets regen Anteil an der Gestaltung des Dorfes und des Dorflebens und war deshalb allseits geachtet. So war er Vorsitzender des Kriegervereins und der örtlichen Feuerwehr und Mitglied im Gemeinderat. In der letztgenannten Eigenschaft setze er um 1910 die Befestigung des Weges von der Osterriede zur Oesselser Strasse (unterhalb der ehemaligen Ziegelei) durch ,was sich heute noch immer angenehm bemerkbar macht für die Landwirte und Spaziergänger.

Nach dem Tode von Gustav Flohr am 18.12.1925 übernahm Fritz Flohr den Hof, zu dem zu dieser Zeit 200 Morgen Land gehörten und auf dem 8 Pferde und etwa 40 Rinder gehalten wurden .Bei der Bewirtschaftung halfen dem Hofinhaber 4 Gespannführer und ein Melker so wie je nach Bedarf bis zu 8 Tagelöhner.

Trotz aller Widrigkeiten erkannte Fritz Flohr die Zeichen der Zeit und modernisierte den Hof und Betrieb nach dem neuesten Erkenntnissen. so baute er zum Beispiel anlässlich einer Modernisierung des Kuhstalles, Futtertische und Selbsttränken ein.1938 schaffte er den ersten Tracktor an, der noch auf Eisenrädern fuhr und deshalb im allgemeinen Strassenverkehr nicht eingesetzt werden konnte. 1941 baute er eine Scheune wieder auf ,die zuvor durch Brandstiftung spielender Kinder abgebrannt war, allerdings ohne längeren Nutzen davon zu haben, weil die Scheune bei einem Luftangriff am 22.9.1943 von einer Brandbombe getroffen und total vernichtet wurde. Dieser Schaden konnte zusammen mit anderen Beschädigungen erst nach 1945 wieder beseitigt werden.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann auch auf dem Hofe Flohr die Umstrukturierung der Landwirtschaft. Der Zwang zur Rationalisierung und Spezialisierung hatte zur Folge, dass viele kleine Höfe aufgeben mussten. Fritz Flohr verstand es dank der Weitsicht seiner Vorfahren und seinem eigenem Sachverstand und Können, den Hof zu erhalten und durch Zukauf von Landflächen sogar noch zu vergrößern. Er musste allerdings auch Land abgeben, als die Gemeinde 1955 am Messeweg Bauland für Siedlungshäuser der Vertriebenen auswies und 3 DM pro Quadratmeter ankaufte. 1963 ging ein Stück landwirtschaftlicher Idylle verloren, als die Viehhaltung (Pferde und Rinder) wegen mangelnder Rentabilität aufgegeben werden musste.

Die Anstrengungen gingen aber nicht spurlos an ihm vorüber. Im Jahre 1970 erfuhr seine körperliche Gesundheit eine erhebliche Einschränkung. Er führte trotzdem den Betrieb bis zur Volljährigkeit seines Sohnes Christoph im Jahre 1979 weiter und übergab dann die Verantwortung in dessen Hände. Am 11.10.1981 verstarb Fritz Flohr. Seit dieser Zeit führt Christoph Flohr den Hof alleine fort.


Text aus 1000 Gleidingen

Die Zuwanderung
Geschichtliches über die Zuwanderung der Juden in Gleidingen

Die Posthalterei
Die Poststation zwischen Hannovr und Hildesheim

Der Hof Flohr
Einer der ältesten Höfe in Gleidingen

Sagen
Über den schwarzen Ritter und dem Stellmacher Münstermann

Die Mühle
Die Errichtung einer Mühle in Gleidingen

Die 1. Apotheke
Die erste Apothe in Gleidingen

Der 1. Weltkrieg
Gleidingen im ersten Weltkrieg 1914 / 1918

1933 bis 1945
Gleidingen während der Jahre 1933 bis 1945

Ölfieber
Ölfieber in Gleidingen

Gebietsreform
Der Zusammenschluss mit der Stadt Laatzen









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