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Gleidingen während der Jahre 1933 bis 1945


Die totale Erfassung und Gleichschaltung der Bevölkerung durch den Nationalsozialismus ging auch an Gleidingen nicht spurlos vorbei. Die NSDAP beeinflusste alle Bereiche des täglichen Lebens. Stellten sich mutige Leute oder Einrichtungen entgegen, wurde der Widerstand durch Drohungen oder Repressalien und - wenn dies nicht ausreichte - durch Inhaftierung der verantwortlichen Personen gebrochen.

Hans-Heinrich Keller gibt in seiner Schrift "Gleidingen - ein Ort während des Dritten Reichs" folgenden Bericht seinen Vaters wieder, der in einprägsamer Weise beschreibt, mit welchen Methoden die damaligen Machthaber die Mensche, insbesondere die Jugend, formten und manipulierten:

" Mein Vater, der Jahrgang 1930 ist, berichtet mir von seinen Erlebnissen im Jugendvolk:

Außer dem zweimal in der Woche stattfindenden Pflichtdienst, mittwochs und sonnabends, wurden wir für alle möglichen Einsätze herangezogen. Ich erinnere mich z.B. daran, dass wir im Winter 1941/42- als der Russlandfeldzug in Schnee und Eis erstarrte - zur Sammlung warmer Winterkleidung bei der hiesigen Bevölkerung für die in Russland kämpfenden Soldaten aufgefordert wurden. Veranlassung dazu war der plötzliche starke Kälteeinbruch im Dezember 1941, bis minus 50 Grad, mit dem niemand gerechnet hatte. Die Wehrmacht war mit Sommerbekleidung in den Feldzug gegangen in der festen Überzeugung, den Krieg in Russland bis zum Einbruch des Winters beenden zu können.

Durch die verschärfte Kriegsführung wurden wir mehr und mehr zu Einsätzen herangezogen, wie z.B. nach Bombenangriffen für die Betreuung der ausgebombten Mitbürger. Nach schweren Angriffen wurden dann oft Feldküchen aufgestellt, die für einen warme Mahlzeit sorgten. Dabei mussten wir dann mithelfen.

Als 1943 der "Totale Krieg " verkündet wurde, mussten wir häufig zum Einsatz in die Landwirtschaft. Wir haben beim Einbringen der Ernte geholfen und Arbeiten verrichtet, die früher von den inzwischen zum Kriegsdienst einberufenen Männern geleistet wurden. Sehr intensiv wurde das Sammeln von Heilkräutern betrieben. Lindenblüten, Schafgabe, Huflattich und viele andere bei uns wachsende Kräuter mussten gesammelt, getrocknet und abgeliefert werden. Diese Kräuter fanden, wie man uns damals sagte, als Tee in Lazaretten und Krankenhäusern Verwendung. Diese Sammlungen wurden sehr streng registriert. Wir bekamen die Auflage, eine bestimmte Menge abzuliefern und wurden getadelt, wenn dies nicht wie gewünscht erfolgte. Selbst die Zeugniszensuren wurden danach bewertet, wie fleißig oder nicht man gesammelt hatte.

In der Gleidinger Schule wurden auch Seidenraupen gezüchtet, die für die Herstellung von Fallschirmseide kriegswichtig waren. Es gab eine bestimmte Heckensorte, die für die Fütterung der Seidenraupen in Frage kam. Im Wechsel mussten Schüler das Füttern der Raupen übernehmen und waren für das Gedeihen dieser Tierchen voll verantwortlich. Neben all diesen kriegswichtigen Einsätzen wurden wir ideologisch geschult. Als unser großes Vorbild wurde immer der "Führer" hingestellt, der sich inzwischen auch zu einem "genialen Feldherrn" entwickelt hatte. Den Lebenslauf des Führers sowie die Zielke der NSDAP mussten wir auf Befragung auswendig daher sagen können. Hochdekorierte Jagdflieger, Generale wie Rommel und U- Boot- Helden waren für uns die Leitbilder der damaligen Zeit.

Hinzu kam noch, dass wir auch vormilitärisch gedrillt wurden. Exerzieren, marschieren mit Gesang, Geländespiele und vieles mehr. Die Organisation dieses totalitären Regimes war so perfekt und gefestigt, dass wir noch wenige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner in Gleidingen am 9.4.1945 unseren normalen Dienst abhielten und so taten, als ob das "Dritte Reich" wirklich für 1000 Jahre Bestand hätte. Etwas ältere Hitlerjungen haben in ihrem Fanatismus mit dem Karabiner gegen die amerikanischen Panzer zu kämpfen versucht. Einige ältere Einwohner, die Sinnlosigkeit ihres Tun erkannten, brachten die Jungen auf ihre Weise zur Vernunft.


Text aus 1000 Gleidingen

Die Zuwanderung
Geschichtliches über die Zuwanderung der Juden in Gleidingen

Die Posthalterei
Die Poststation zwischen Hannovr und Hildesheim

Der Hof Flohr
Einer der ältesten Höfe in Gleidingen

Sagen
Über den schwarzen Ritter und dem Stellmacher Münstermann

Die Mühle
Die Errichtung einer Mühle in Gleidingen

Die 1. Apotheke
Die erste Apothe in Gleidingen

Der 1. Weltkrieg
Gleidingen im ersten Weltkrieg 1914 / 1918

1933 bis 1945
Gleidingen während der Jahre 1933 bis 1945

Ölfieber
Ölfieber in Gleidingen

Gebietsreform
Der Zusammenschluss mit der Stadt Laatzen









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